Ein Berater unterstützt das Management eines Unternehmens bei den in der Regel strategisch wichtigen Fragen, sei es ein Turnaround, ein wichtiges Projekt oder eine langfristige Investition. Wie auch immer der Auftrag lautet, zunächst gilt es, sich Überblick zu verschaffen. Wie ist denn überhaupt die Lage? Warum hat man sich für dieses Projekt entschieden, wo drückt der Schuh? Wie messe ich denn meinen eigenen Erfolg, welcher Indikator muss sich denn wie verändern, damit mein Auftraggeber zufrieden ist?
In meinem ersten Beitrag möchte ich eins der wichtigsten Themen ansprechen, die es im Unternehmens- wie im Berater-Alltag gibt, nämlich die Kennzahlen bzw. das Kennzahlensystem. Eine bekannte Metapher vergleicht die Unternehmenssteuerung mit dem Führen eines Fahrzeugs, dessen Windschutzscheibe mit Pappe beklebt ist, man kann also nur die Instrumententafel sowie die Rückspiegel benutzen. Schließlich ist ja die Zukunft unbekannt, man trifft also alle Entscheidungen nur auf Basis der Vergangenheitswerte (Rückspiegel) sowie aufgrund der aktuellen Lage (Instrumententafel).
Nun stelle man sich vor, dass die Instrumententafel anstatt den wirklich nützlichen Informationen wie die Geschwindigkeit oder die Drehzahl etwas ganz anderes zeigt. Zum Beispiel wird dem Fahrer die Windstärke angezeigt oder der Reifendruck in Kombination mit dem durchschnittlichen Verbrauch. An sich interessante Daten, welche man durchaus *auch* wissen möchte, aber doch nicht in dieser Situation und nicht zu diesem Zeitpunkt! Und wenn man dazu noch die Lachspiegel als Rückspiegel verbaut, dann ist das Chaos einprogrammiert.
Klingt absurd, nicht wahr? Aber so ähnlich empfindet man die Unternehmen oder Unternehmensbereiche, in denen das Management nur Bruchstücke lückenhafter Informationen zur Verfügung hat, um die Entscheidungen zu treffen. Die Betriebsblindheit macht es leider möglich, dass es einem gar nicht auffällt, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Und es ist unsere Aufgabe als externer Berater, mit unserem Blick von außen, dem Arbeitgeber aus der Patsche zu helfen, ihm die Möglichkeiten und die Chancen aufzuzeigen, welche ein durchdachtes KPI-System mit sich bringt.
Damit können wir übrigens gleich bei der Auftragserteilung beginnen, und zwar mit der Frage: “Welche Kennzahl soll sich wie ändern, nachdem ich mit meinem Auftrag fertig bin?” Denn je nachdem, wie die Antwort auf diese Frau ausfällt, kann es durchaus sein, dass wir nicht nur einen zusätzlichen Auftrag erhalten, sondern in erster Linie unserem Kunden was wirklich wirklich Gutes tun.
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